Woran sollen wir uns halten, wenn bestimmte Werte plötzlich ins Wanken geraten? Wenn scheinbar alles in unserer Gesellschaft zum Kulturkampf verkommen ist und demokratische Überzeugungen mit Füßen getreten werden? Wenn Fakten Lautstärke und Empörung weichen? Pierrot Raschdorff plädiert für eine neue Höflichkeit, die wieder Verständigung ermöglicht und in stürmischen Zeiten ein wichtiger Anker ist.
„Es geht um die Frage, wie ein Leben in Vielfalt gelingt, ohne dass Konflikte in Verachtung kippen. Anders formuliert: Welche kulturellen und sozialen Praktiken stabilisieren eine liberale Demokratie dort, wo sie am verletzlichsten ist, im alltäglichen Umgang, in den Routinen des Sprechens, in der Bereitschaft, das Gegenüber nicht sofort als Feind zu behandeln?“
In Politik und Öffentlichkeit verrohen die Sitten: Rassismus, Hass und Rüpeleien sind wieder salonfähig. Woke und Konservative stehen sich mit Fragezeichen gegenüber und sehen sich jeweils auf verlorenem Posten. Verhärtete Fronten und Radikalisierung lassen unsere demokratischen Werte bröckeln. Mit großer Sorge blickt Pierrot Raschdorff auf diese Entwicklungen – weil wir das Gute im Menschen aus den Augen verlieren, Mitgefühl keinen Raum mehr geben und unsere Freiheit zugunsten autoritärer Kräfte aufs Spiel setzen. Mit klarem Blick und großer intellektueller Tiefe analysiert Raschdorff diese Erosion bisher fest verankerter Werte und appelliert in aufklärerischer Tradition an das Prinzip der Höflichkeit: nicht als altmodische Etikette oder schnöder Benimm, sondern als moderne Haltung, die ein Zuhören und Streiten ohne Entwürdigung ermöglicht, Vielfalt lebbar macht und ein Miteinander auf Augenhöhe stiftet.
„Wenn dieses Buch Hoffnung anbietet, dann nicht als Gefühl, sondern als Möglichkeit, als Einladung zu einem anspruchsvollen Gespräch darüber, wie wir in einer pluralen Demokratie wieder besser miteinander streiten können und warum das keine Nebensache ist, sondern eine Bedingung ihres Fortbestands.“







