Das finnische Nationalepos „Kalevala“ ist weithin bekannt. Es basiert – ähnlich wie die deutschen Märchensammlungen und das Kalevipoeg – auf Aufzeichnungen aus dem 19. Jahrhundert.
„Der Literatur ist ein Kapitalwerk geschenkt worden, das für alle Zeiten den Esten sein wird, was den Griechen ihre ‚Ilias‘ war.“
Während die Märchensammlungen der Brüder Grimm oder Lönnrots Werk rasch die Begeisterung deutscher Leser zu entfachen vermochten, blieb jenseits des Baltikums nahezu unbemerkt, dass Friedrich Reinhold Kreutzwald in Estland ebenfalls ein bedeutendes Nationalepos geschaffen hatte, fast namensgleich, aber auf einer geistigen und historischen Grundlage, die sich von dem „Kalevala“ wesentlich unterscheidet.
Wohl liegen auch Kreutzwalds Epos Lieder und Prosaüberlieferungen der Vorzeit zugrunde, doch hält der „Kalevipoeg“ überraschenderweise eine Botschaft bereit, die auf die Zukunft gerichtet ist.
„Das estnische Nationalepos »Kalevipoeg« stellt ungeachtet der literarischen Bewertung einen Stützpfeiler der estnischen Literatur dar. Es erschien erstmals 1857-1861 in estnischer und deutscher Sprache, gesammelt und metrisch verbunden von Friedrich Reinhold Kreutzwald, einem Kreisarzt aus der südestnischen Stadt Võru. Eine zweite deutsche Übersetzung wurde von Ferdinand Löwe unternommen und erschien im Jahre 1900. Sie liegt dem vorliegenden Band zugrunde.
Wie bei den meisten Nationalepen geht es auch im »Kalevipoeg«-Epos um den Kampf zwischen dem Guten und Bösen. Die eine, die positive Seite wird von dem jungen Held Kalevipoeg angeführt. An der Spitze der anderen, der bösen Seite der Welt steht der Herrscher der Hölle, der Böse, der Gehörnte. Zusätzlich ordnen sich die als positiv und negativ betrachteten mythologischen Wesen, Tiere und Naturkräfte in die gegensätzlichen Seiten ein. Und schließlich finden sich auch die auf die ethnisch-historische Erfahrung der Esten zurückzuführenden Kräfte: die Eisenmänner und die bösen Zauberer auf der anderen Seite des Peipussees.“ – aus dem Geleitwort







