Zur Freundschaft als einer geschwisterlichen Wahlverwandtschaft gehört neben der anteiligen Gemeinsamkeit ganz offensichtlich auch die Anerkennung und Bejahung der Unterschiede. Unsere Autorinnen und Autoren haben das in ihren Beiträgen auf je eigene Weise zum Ausdruck gebracht.
Die bekannte Autorin Gunna Wendt (z.B.: „Ita und Marie. Ita Wegman und Marie Steiner – Schicksalsgefährtinnen und Konkurrentinnen um Rudolf Steiner“) schreibt dazu: Liest man Erfahrungsberichte über Freundschaften, fällt auf, dass die Gegensätzlichkeit dabei ein wesentliches Element ist … Der Priester Matti Bormann-Melchinger nennt seinen Beitrag ganz in diesem Sinne „Das Hohelied der Unterschiedlichkeit“. Er schreibt über eine Freundschaft, die er bereits als Jugendlicher zusammen mit einem ungleich älteren Schauspieler „gebildet“ hat und die dessen Tod überdauert. Die Lehrerin und Priesterseminaristin Annamarie Nel beschreibt einen Teil ihrer „Freundschaftsbiographie“ und der Alten- und Krankenpfleger Helmut Kohlhepp fordert die Leser mit wortkünstlerischen Mitteln zum Besinnen der „Freunde und deren Freunde“ heraus.
Für Martin Buber („Ich und Du“, 1923) gründen sich Freundschaften auf die Beziehungsfähigkeit des Menschen zum »ewigen Du« Gottes. Für Buber ist damit die „Gottesfreundschaft“ das Urbild aller Ich-Du-Beziehungen: Die verlängerten Linien der Beziehungen schneiden sich im ewigen Du. Jedes geeinzelte Du ist ein Durchblick zu ihm.








