Unser Februarheft beschäftigt sich mit dem Thema Armut. Im Jahr 2024 lebten nach Schätzungen der Weltbank fast 700 Millionen Menschen in extremer Armut, d. h. ihre verfügbaren Mittel lagen unter dem Existenzminimum und ihr Leben war bedroht. Hinzu kommen noch die »relativ« Armen, die zwar überleben können, die aber auch durch ihre fehlenden materiellen, sozialen und kulturellen Mittel und Möglichkeiten weitgehend von einem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen sind. Denn Armut betrifft nicht nur das Einkommen, sondern auch Bildung, Sicherheit, gesellschaftliches Leben und die Würde des Menschen. Sie schränkt die Lebenschancen und die Selbstbestimmung ein.
Im Hintergrund weiß jeder von uns, dass die Not groß ist. Wir wissen es zumindest so, wie wir auch wissen, dass rund 70 Millionen Menschen durch die direkten oder indirekten Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges getötet wurden. Es ist eine immense Zahl, und fast ist es so, dass je größer die Zahl ist, das Leid um so abstrakter wird. Wir rücken es von uns weg, weil es eh aussichtslos scheint, dass es besser wird.
Die Situation ist anders, wenn man Armut direkt erlebt. Da wird vermutlich niemand von uns mehr damit kokettieren, dass er oder sie sich dies und jenes nicht leisten kann. In den Beiträgen von Annette Massmann und Andreas Loos finden wir Armut konkret beschrieben. Es geht immer um ganz individuelle Menschen. Vielleicht ist es tatsächlich hilfreich, sich ein bestimmtes Armutsschicksal möglichst genau und bildreich vor Augen zu führen, um nicht in Anbetracht einer großen Zahl zu kapitulieren. Die Witwe, die nur zwei Scherflein in den Opferkasten legte (Mk 12,43f), kannte die Armut aus eigenem Erleben. Aber sie hätte vermutlich nie gesagt »Das kann ich mir nicht leisten«.





![Immer ärmer – immer reicher (06/2022) – PDF-Ausgabe [Digital]](https://info3-shop.de/wp-content/uploads/2022/08/I3-2022-06-600-324x460.jpg)

